| REVIEWS |
- Ad Noctum - Amboss
- Bloodawn - Drone Evil - Empty
Room - Eternity - Fatal Underground
- Holy Metal - Metal 1 Info - Metal
Dungeon - Metal Glory - Metal Inside
- Nocturnal Hall - Power Metal |
AD
NOCTUM
| Lange war es still um Klabautamann
und ich dachte schon, die Band hätte sich aufgelöst. Totgesagte
leben ja bekanntlich länger und so legen auch Klabautamann mit
"Der Ort" ein vollständiges Album vor. Ob mit "Der
Ort" das beliebte stille Örtchen gemeint ist, entzieht sich
leider meiner Kenntnis, aber Fakt ist, dass die Jungs ihrer Marschroute
treu geblieben sind und immer noch erdigen Black Metal spielen. Wer
sich vielleicht bezüglich des Bandnamens amüsiert, dem dürfte
spätestens beim Lauschen der zweiten CD der Mund weit offen stehen
bleiben, denn die Jungs gehen ungeschliffen und geradlinig zu Werke.
Knallharte und brutale Doublebass sind allgegenwärtig und Abwechslung
erfolgt hin und wieder durch entspannende Klaviereinlagen, die sich
aber recht gut zu den Songs ergänzen. Insgesamt recht passabel
und zufrieden stellend, da die Band auch merklich um Abwechslung bemüht
ist, aber die Doublebass Passagen wirken stellenweise etwas dumpf.
Mir gefällt die Band besser, wenn sie mal im Midtempo agiert
und mehr um Atmosphäre bemüht ist. Vom Sound und der Aufmachung
her gibt es aber grünes Licht.
AMBOSS-MAGAZIN
| Mit "Der Ort" legen die beiden aus der Gegend
von Bonn stammenden Klabautermänner Tim Steffens und Florian
Toyka" Full-Lenght Album Nummer zwei vor. Wieder gibt's schroffen
Black Metal gepaart mit Folk Akustik Gitarren, manchmal recht schrägen
Melodien und einer Atmosphäre, die von dunkel bedrohlich bis
wohltuend melancholisch reicht. Black Metal domiert das Werk, was
sich neben den eher traditionelleren Gitarrenläufen auch bei
den keifenden Vocals bemerkbar macht. Roh und wild wirkt das Album
an diesen Stellen, wird dann aber immer wieder von ruhigen Passagen
unterbrochen, die das Gesamtbild zu sortieren scheinen. Die Wechsel
sind fließend und gut gelungen. Trotz der Gegensätze hat
man eine Einheit geschaffen, aber leicht ist es nicht immer, sich
mit der Musik auseinander zu setzen, denn Klabautamann verlangen einem
doch ganz gut was ab beim Hören. Am Ende bleibt man so'n bisschen
zwischen Genie und Wahnsinn stecken. "Der Ort" ist auf jeden
Fall ein ungewöhnliches, aber auch irgendwie außergewöhnliches
Werk, dass man als in alle Richtungen offener Black Metal Hörer
durchaus mal zu Gemüte führen sollte. [eller]
BLOODAWN | Bei Klabautamann-Rezensionen gehört es fast schon zum guten Ton, einleitend ein paar Worte zum Namen der Band zu verlieren. Dieser Tradition möchte ich sie brechend gehorchen, indem ich ausdrücklich darauf hinweise, NICHTS zum Namen zu sagen. Und nachdem ich so pflichtschuldigst das Vorspiel zu dieser Kritik hinter mich gebracht habe, können wir uns auch schon dem Wesentlichen widmen, dem Klabautamann-Zweitwerk "Der Ort". Von ihren früheren Veröffentlichungen habe ich die Bonner als recht interessante Formation in Erinnerung, die gute Ideen hat, ihr Potential jedoch nicht völlig ausspielen kann und die Begeisterung des Hörers mit gelegentlichen Abstürzen in die Belanglosigkeit kräftig dämpft. Mit "Der Ort" muss diese Einschätzung nun revidiert werden. Interessant sind Klabautamann natürlich immer noch, aber jetzt haben sie es (endlich) geschafft, ein Album vorzulegen, das (fast) durchgängig für schwarzmetallischen Genuss sorgt. Dabei macht das Album es dem Konsumenten erfreulich schwer, eindeutige Inspirationsquellen zu benennen. Die Hektik moderner Emperor verbindet sich mit beinahe klassischer nordischer Raserei und einem Hauch Death Metal zu vielseitigen Kompositionen voll authentischer Atmosphäre. Besonders zu gefallen wissen hierbei die Sechssaiter, die immer wieder mit singend-schrillen Leads ins Zentrum der Aufmerksamkeit drängen. Vervollkommnet wird "Der Ort" durch den ausgiebigen Einsatz akustischer Gitarren sowie etwas Klavier, die die Stimmung des Albums wunderbar verdichten. Ausserdem sorgen diese beinahe zerbrechlichen Abschnitte für einem gelungenen Kontrast zum ansonsten kräftigen Black Metal und tun auf diese Weise viel für einen dynamischen Gesamteindruck. Viele gute Nachrichten also aus dem
Hause Klabautamann. Fast könnte man meinen, auf dem Weg zu einer
5-Punkte-Kritik zu sein. Aber eben nur fast. Ungeschickterweise hat
man sich nämlich dazu entschieden, das eher ruhige und ansonsten
sehr gelungene "October" durch ein bisschen weiblichen Gesang
zu verschlimmbessern. Es ist zwar lobenswert, dass dieser Gesang nicht
das handelsübliche Piepsen darstellt, aber der hier unternommene
Ausflug in Richtung "Min Tid Skal Komme" ist noch nicht
das Gelbe vom Ei. Die Ausdrucksstärke des Originals wird deutlich
verfehlt, und so ist das Stück ein leicht enttäuschender
Abschluss eines ansonsten sehr gelungenen Albums. [Erik 4/5]
DRONE
EVIL
| “Der Ort“ schimpft sich der Nachfolger
des Erstlingswerk “Our Journey Through The Woods“ von
Klabautamann. Mit dem Debüt war ja bereits klar, dass die beiden
Bonner es mit ihrer Musik verdammt ernst meinen und demzufolge auch
eifrig an einem weitern Werk arbeiten würden. Auch wenn es mich
nicht immer hundertprozentig begeistern konnte, hat “Our Journey...“
schon ein recht gutes Debüt abgegeben. Wo beim Vorgänger
noch ein paar Tiefen zu vernehmen waren, gibt “Der Ort“
ein gehofft komplettes Bild ab. Stilecht zum Vorgänger setzen
Klabautamann weiterhin auf sehr abwechslungsreichen Black Metal und
geben somit neben den genretypischen Attributen viel Akustikarbeit
zum Besten, die auch nicht selten in schnellen Wechseln zu brachialen
Aggressionsausbrüchen auftauchen. Weiterhin werden diese Wechselspielchen
zwischen rauer Gewalt, ruhigen Akustikmelodien und der mächtigen,
zwei- oder mehrstimmigen Gitarrenarbeit wunderbar dargeboten. Zudem
kommt der brillante, in wahrsten Sinne des Wortes, hauseigene Sound
aus dem eigenen Flammenmeer Studio. Einen weiteren Pluspunkt hat sich
die Band mit Patrick Schröder am Schlagzeug, leider nur Gastmusiker,
für die Aufnahmen besorgt. Dieser setzt nämlich immer wieder
gute Akzente und ist sowohl bei rasenden Geschwindigkeiten als auch
bei abgefahreneren Rhythmen sehr präzise. Als weitere Gastmusiker
sind Isabel Jasse und Stefan Horn für klaren, weiblichen Gesang
bzw. dem bestialen Gesang bei "Waldschrat" zuständig
und erfüllen ihre Aufgabe ebenfalls sehr gut, eine sehr abgerundete
Sache also. Über Klabautamann wird in kürzester Zeit sicherlich
noch viel geredet. 9 von 10 Zählern [by Rühl2.0]
EMPTY
ROOM
| Mitten im kältesten Februar landet passenderweise
die neue Klabautamann auf meinem Schreibtisch. Nachdem das letzte
Album ganz dem Wald in seiner vollen Pracht gewidmet war, ist der
neuen CD ein kälterer Anstrich verpasst worden. Nicht nur wegen
der tiefen Außentemperaturen erweckt "Der Ort" diesen
Eindruck: Schon der malträtierte Wald Ivan Shishkins auf dem
Cover lässt einen erschauern. Und auch Songs wie "Winternacht"
und "The River" lassen alles andere als wohlige Wärme
in mir aufsteigen. ETERNITY
| Als ich erfuhr, dass Klabautamann ein neues Album raus
haben, konnte ich es nicht erwarten, dieses in meinen Händen
zu halten, hatte mich doch das Debüt auf ganzer Linie überzeugt.
Hoffnungserfüllt lauschte ich also den ersten Tönen, und
das, nachdem ich die ganze Nacht durchgezecht hatte und mir eigentlich
nach Schlafen zumute war. Da lag ich nun, schaute in den blauen, sonnenerhellten
Morgenhimmel und träumte vor mich hin. Träumen, ja, das
kann man dabei sehr gut, und einschlummern, was ich bald darauf auch
tat. Das soll aber auf keinen Fall heißen, dass mich das Album
langweilte, das tut es Tage danach und nach zig Durchläufen immer
noch nicht. "Der Ort" ist ebenfalls wie der Vorgänger
so komplex aufgebaut und von Emotionen durchdrungen, dass es schwer
ist, die richtigen Worte zu finden, um diesen Ohrenschmaus zu beschreiben.
Wie ich nicht anders erwartet hatte, hält man sich thematisch
auch hier überwiegend im Wald auf; ist es nicht nur die in schwarz-weiß-gehaltene
Waldlichtung des Covers, die mich gedanklich immer wieder in jenem
grünen, moosbewachsenen Unterholz sitzen lässt, sondern
auch die verspielt und durchaus einprägsam angelegten Melodien,
welche mich immer wieder in eine heitere Stimmung versetzen. Wie beim
Vorgänger ist der Sound sehr schratig und erdig gehalten, was
so vermutlich nicht jedem zusagen wird, da er im Gesamten etwas basslastiger
sein könnte, dennoch bleibt man mit einem guten, sehr klaren
Gesamtsound weit über dem, was da mancher Waldteufel so daheim
im feuchten und wurmzipfel-verseuchten Kellerloch fabriziert. Klabautamann
bleiben im Ganzen ihrer Linie treu und konzipieren hiermit ein Album,
das charakterlich dem Vorgänger recht ähnlich ist (thematisch
und soundtechnisch auf alle Fälle). Technisch, und man achte
dabei besonders auf die Gitarren, befindet man sich wieder auf einem
äußerst hohen Niveau; man verstärkt dabei nicht nur
den Einsatz der Akustikgitarren, welche auch hier häufig an Ulver
erinnern (ich weiß, so was hört man als Musiker nicht gerne),
nein, man wagt sich auch noch ein Stück weiter und baut kompliziert
gestrickte Gitarrenläufe ein (diese gab es zwar schon beim Vorgänger,
tauchen hier aber noch verstärkter auf), die mir leider manchmal
etwas zu verspielt rüberkommen und mich ab und an mal den Faden
verlieren lassen. Dabei werden nicht selten Parallelen zu den neueren
Enslaved hergestellt, was mir im neunten Song besonders auffällt.
Nach mehrmaligem Hören machen die Songs den Eindruck, als würden
sie sich untereinander sehr ähneln (man vergesse dabei erst mal
Titel Sieben und Neun), was bei näherer Betrachtung natürlich
nicht der Fall ist, und trotzdem folgen sie einem gewissen Schema;
neben den immer wieder verspielten E-Gitarren, machen die Akustikgitarren
einen sehr zaghaften Eindruck, der noch durch dem diesmal sehr häufig,
dann aber meist solo, vertretenen Piano unterstützt wird. Abwechslungsreicher
kann man ein Album dennoch kaum gestalten, denn neben den häufigen
Tempiwechseln, hervorgerufen durch die oft sehr abrupte Umstellung
der verschiedenen Gitarren, verfügt das Album auch gesanglich
über einen enormen Facettenreichtum. Nach wie vor ist der relativ
gut zu verstehende Kreischgesang dominant, dennoch muss er ab und
an mal weichen, um einer klaren, sehr ruhigen, aber trotzdem sehr
vollen Männerstimme Platz zu machen, welche dann auch mal zu
einem Flüstern werden kann. Man geht am Ende des Albums sogar
so weit, dass man sich von der metallischen Härte löst und
in eher rockige Gefilde gelangt (Enslaved kommen wie gesagt dabei
sehr stark durch). Jedoch liegt das Besondere an diesem Song an dem
faszinierenden weiblichen Gesang; ein absolut zauberhaftes Stimmchen:
kraftvoll und wieder lieblich, ja fast wie ein Elfenweibchen. Doch
vor allem klingt der nicht altbacken, so wie das Soprangeträllere
bei so vielen anderen Bands, wo es einen irgendwann nur noch annervt,
dem zuzuhören. Es bleibt nur zu hoffen, dass diese Trollbande
sich dieses Weiblein recht warm hält und weiter solch lockere
Songs in ihrem Pilzgarten wachsen lässt. [Jens Schreiber]
FATAL
UNDERGROUND
| Was wird eine wohl hier für ne Mucke erwarten?
Also rein mit dem Teil in den Player und es dauert nur einige Minuten,
bis es einem klar wird, wohin der Hase läuft. Die beiden Burschen,
die sich bereits 1998 zusammengefunden haben, sind eindeutig der BM
Gilde zuzuordnen. Aber BM halt nur als Oberbegriff, denn in der hier
vorgetragenen Form findet man es eher seltener. Denn die Jungs zelebrieren
kein extremes, böses Intermezzo, sondern setzten eher auf einen
stark progressiven Touch. Obwohl man auch mit extremen rasenden typischen
BM Parts rumwerkelt, setzt man doch stark auf eher ruhigere, echt
geile Momente, welche hierbei vor allem mit Akkustikgitarre und Piano
untermalt werden. Eine absolut starke Prägung erhalten die einzelnen
Songs allerdings durch die enorm vielen und absolut passenden Tempowechseln
inmitten der Songs. Da wird man förmlich vom Himmel in die Hölle
und dann gleich wieder zurück, katapultiert. Das hierbei die
gesamten Rhythmen nahtlos ineinander übergehen, zeugt wohl eindeutig
davon, das man ein echt gutes Händchen beim Songwriting hatte.
Gesanglich hält man sich hier zwar auch in den Keifenden Gefilden
auf, überstrapaziert dies aber in keinster Weise. Die beiden
Gastsänger, welche bei "Waldschrat" und "October"
auftauchen, bringen dann noch etwas Abwechslung mit rein und tragen
zusätzlich noch zur positiven Ausstrahlung der Stücke bei.
Definitiv ne Scheibe, die sich einen Dreck um Trends und Moden schert.
Schön das es noch Bands gibt ,die komplett ihren eigenen Weg
gehen. Von daher auch als Erweiterung eurer CD Sammlung als fast unumgänglich
einzustufen. [Ausgabe 20]
HOLY
METAL
| C'è un album che all'interno dell'ormai vastissima
produzione black metal non ha mai goduto dell'attenzione che meriterebbe.
Quel disco, uscito ormai dieci anni fa, si intitolava Bergtatt e rappresentava
i primi passi mossi da una band che successivamente si sarebbe allontanata
in maniera drastica dal black metal. Eppure sembra che la lezione
impartita da quel disco sia stata imparata da qualcuno e i tedeschi
Klabautamann ne sono un esempio fulgido. METAL 1 INFO | Klabautamann konnten mich schon mit ihrem eigenproduzierten Debüt "Our Journey Through The Woods" (2003), das typisch rauhe Black Metal Riffs mit oft komplex-progressiven, eingängigen Melodien mischte, die direkt aus der Natur zu stammen scheinen auf ganzer Länge überzeugen. Auch jetzt, unter Vertrag bei Heavy Horses, ändert sich fast nichts an diesem Stil, dem sich die Meckenheimer verschrieben haben, wenn überhaupt, dann nur ins Positive, was ich nach dem schon sehr genialen Erstlingswerk kaum erwartet hätte. Vor Allem die Produktion wurde genau richtig gewählt, die schwarzmetallischen Elemente, sowie das Schlagzeug und der Gesang klingen roh und unverfälscht, die melodischen Klänge, wie zum Beispiel Akustikgitarren tönen hingegen klar und keinesfalls unterproduziert durch die Boxen. Bereits der Opener mischt schnelles, aggressives Riffing mit wunderbaren, verträumten Melodien, die zwar nicht beim ersten Hören, nach ein paar Durchläufen aber immer mehr ins Ohr gehen und selbiges so schnell auch nicht mehr verlassen. Auch "Forlorn Sea" fährt die selbe Schiene, jedoch ohne schon dagewesenes zu kopieren. Besonders bemerkenswert wäre auch hier wieder der häufige Einsatz der Akustikgitarre, welcher förmlich zum Träumen einlädt. Für "Waldschrat" wurde eigens Stefan Horn von den Death Metallern Jack Slater an Bord geholt, weshalb der Song Anfangs ein brutaler Death/Black Metal Titel zu sein scheint, sich aber auch später als melodisch angehaucht entpuppt. "Red Urn" nennt sich der Song, welcher als einziger vollkommen mit Akustikgitarrenklängen und - bis auf eine kurze Passage gegen Ende des Liedes - ohne jegliche Art von Gesang auskommt. Das darauffolgende "The Wanderer" ist keine Coverversion eines Emperor-Outros sondern auch wieder ein typischer Klabautamann-Song. Stellenweise fast schon zu typisch. Für einen kleinen Moment scheint das schon dagewesene wieder aufzutauchen, allerdings nur für einen kleinen Moment, weswegen sich dieser Faktor kaum negativ auf die Genialität dieses Albums auswirkt, welche auch nochmal durch den meiner Meinung nach fast besten Titel "October" manifestiert wird. Eine Melodie, die einen "ironischerweise" sofort an einen Wald im Herbst denken lässt (Eben passend zum Liednamen), im Einklang mit der klaren Stimme der Gastsängerin Isabel Jasse, runden das Album zu einem meiner persönlichen Highlights der letzten Monate ab. Eine Art "progressiver Faden" zieht sich
durch das Komplette Album, wer also ein Melodisches Black Metal Album
mit Ohrwurmfaktor erwartet, der wird von "Der Ort" wohl
enttäuscht werden. Menschen mit der Fähigkeit, Musik zuzuhören
und mit etwas zu verbinden kann ich dieses Album allerdings nur ans
Herz legen, da die Hauptinspiration der Gruppe wohl eindeutig in der
Natur - besonders aber in Wäldern - liegt. "Der Ort"
bietet Musik zum Träumen - Anfänglich vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig,
später aber umso genialer. [Moritz 9 Punkte]
METAL
DUNGEON
| Stilbruch! Darf Black Metal progressiv und dazu noch
schweinegut produziert sein? Die Antwort lautet eindeutig: Ja! Die,
aus nur zwei Leuten bestehende, deutsche Band KLABAUTAMANN prügelt,
hetzt, klimpert, schreit, keift, gurgelt, zupft und ballert mir hier
so dermaßen um die Ohren, das ich mir nach dem ersten Komplett-Durchlauf
ein kühles Pils hole und abermals die Play-Taste drücke.
Das passiert mir selten bei frischen Promo CD´s. Prompt wünsche
ich mir den Schnee zurück und bekomme Lust auf einen winterlichen
Waldspaziergang. Nicht blutüberströmt mit Corpsepaint und
Äxten bewaffnet, eher im demütigen Einklang mit der Natur
und dem gefrorenen Geäst. Die nun seit 1998 bestehenden KLABAUTAMANN
wuchten hier ihr zweites Album in die Startlöcher und schaffen,
obwohl sie mir bis jetzt kein Begriff waren, mich direkt aus den Socken
zu hauen. Wechselspiel heißt hier das Zauberwort. Ein Wechselspiel
zwischen laut und leise, grimmig und tiefstböse, Blackmetallische
Raserei und gediegenes Gezupfe, fieses Gekeife und anmutige Männerchöre.
Deutsche Texte im Black Metal dürften hingegen seid DUNKELGRAFEN,
BETHLEHEM oder NOCTE OBDUCTA nicht mehr als exotisch gelten. KLABAUTAMANN
beschränken sich aber nicht ausschließlich auf deutsche
Lyrik, sie fassen auch die englische Sprache, im Gegensatz zu anderen
Bands, nicht nur mit der Kneifzange an. So wechseln sich deutsche
Titel wie z.B. „Winternacht“, „Waldschrat“
oder das Titelstück mit englischen wie z.B. „Forlorn Sea“
(der Oberhammer!!) oder „The Wanderer“ ab. Sehr weise
ist außerdem die Entscheidung des Duos KLABAUTAMANN einen Gastmusiker
hinter die Drums zu setzen anstatt einen Drumcomputer zu verwenden,
somit klingt das Album definitiv erdiger und glaubwürdiger. Heraussticht
das über neun Minuten lange „October“, das mit einer
großartigen Gastsängerin, stiluntypische Elemente verarbeitet.
Eine verdammt Runde Sache, selten schafft es eine Black Metal Band
mich dermaßen zu begeistern. [Kriddl]
METAL GLORY | „Zwar klingen einige Tracks hier und da noch etwas wirr, dennoch ist „Our Journey Through The Woods“ ein beeindruckendes Werk schwarzmetallischer Tonkunst geworden, welches zudem mit einer erstklassigen Gestaltung aufwarten kann und daher jedem naturbegeisterten Musikliebhaber, welchem Formationen wie Ulver, Empyrium oder Bergthron etwas sagen, ansprechen sollte…“ Jene einleitenden Worte schrieb ich
Mitte 2003 für das Debütalbum des naturversessenen deutschen
Duos Klabautamann und auch wenn seit damals eine gehörige Menge
Wasser die Themse herunter geflossen ist, krame ich „Our Journey
Through The Woods“ auch anno 2005 gerne aus meinem CD-Chaos
und gebe mich dem naturinspirierten, archaischen Werk des blackmetallischen
Zweiergespanns hin. Nun sind Tim und Florian wieder da, um uns an
einen entlegenen, mystifizierten und geheimnisvollen Ort zu entführen,
eine Einladung, welche wir nur zu gerne annehmen, oder? Stilistisch
knüpft „Der Ort“ an das stellenweise noch etwas holprige
Debüt an, man kann jedoch getrost sagen, dass jene naive Holprigkeit
des Einstandes durch ein ungleich professionelleres Vorgehen terminiert
wurde. Leider haben die beiden Klabautermänner durch ihre gesteigerte
Professionalität etwas von ihrem rohen und spontanen Charme eingebüßt,
was manche Passagen etwas zu steril, zu gekünstelt erscheinen
lässt. Doch keine Angst, Klabautamann sind nicht unter die Weicheier
gegangen. Noch immer herrscht eine ausgewogene Mixtur aus grimmigen
Black Metal-Parts, meditativen und elegischen Folk-Träumereien
sowie progressiven Metal-Elementen vor, auch wenn Letztgenannte im
vergleich zum Vorgänger deutlich an Dominanz gewonnen haben.
Hier liegt meiner Ansicht nach die zweite Schwachstelle von „Der
Ort“, da der eine oder andere progressiv-fricklige Riff-Ausflug
von zeit zu zeit die zart aufkeimende, naturmystische Stimmung belastet
und den Songs ein wenig von der archaischen „Zwielichtiger-Wald-in-Nebelschleiern“-Atmosphäre
nimmt. Nun aber genug gemeckert, schließlich steht „Der
Ort“ seinem Vorgänger abgesehen von jenen beiden Punkten
in nichts nach: Ungestüme Black Metal-Riffs verbreiten frostiges
Flair, keifende und hasserfüllte Vocals bekunden den Umnut des
Sängers und noch immer brechen unvermittelte Intermezzi mit der
Lagerfeuergitarre den rohen, nordischen Klangteppich auf. Kongenial
umgesetzt wird diese Strategie besonders im Opener „Der Ort“,
in welcher eine rasend-schwarze Attacke unvermittelt den Saft von
einem dunklen Pianozwischenspiel abgedreht bekommt, unweigerlich Vergleiche
mit Ulvers „Bergtatt“ aufkeimen lassend. Doch auch das
übrige Liedgut brilliert vor allem durch das hohe Maß an
Abwechslung: Klarer Gesang duelliert sich mit dem herben Gekreische,
monotone Midtempoparts geben sich die Klinke mit rasenden Trollen
gleichkommenden Attacken in die Hand und ein hohes Maß an folkiger
Ausrichtung sorgt für die passende Umsetzung des abermals sehr
schönen und stimmigen Covers. Mit „October“ haben
Klabautamann zudem einen Track an den Schluss ihrer Scheibe gesetzt,
welche sämtliche Genrebarrieren sprengt in die Liebe der beiden
Musiker zu Prog Rock oder gar poppigen Gefilden durchschimmern lässt.
So bleibt ein abermals wahnsinnig intensives, wenn auch nicht ganz
so faszinierendes Album, welches dafür jedoch mit einem weitaus
besseren Soundgewand aufwarten kann. Fans der ersten Scheibe und Metalheads,
welche die ersten dreu Ulver-Alben zwar vergöttern, die neueren
Exkurse der Norweger dennoch nicht abgrundtief hassen, sollten sich
„Der Ort“ schnellstens zulegen und mit dem Album in der
Hand im nächsten dämmrig-schimmernden Wald verschwinden.
[Björn Springorum 8,5]
METAL
INSIDE
| Der Name ist hier definitiv nicht Programm. In herkömmlicher
Schriftart ist der Klabautermann ein guter Schiffsgeist, ein unsichtbarer
Kobold, der Kapitäne vor Gefahren warnt. Das Einzige, was scheinbar
in dieser Definition für die Band aus Meckenheim bei Bonn zutrifft,
ist das Adjektiv „gut“. KLABAUTAMANN machen progressiven
Black Metal, Black Metal, wie er in Deutschland und in der ganzen
Welt höchstselten anzutreffen ist. Nocte Obducta sind ähnlich
originell und doch ganz anders, Negura Bunget fallen mir als Vergleich
ein, in Sachen Niveau und Variantenreichtum. Ein guter Rat vorweg:
Dieses Album eignet sich nicht zum Nebenbei hören - also nix
da mit viel Saufen und stumpf Rocken. Hinsetzen, in Ruhe genießen
und ihr werdet „Der Ort“ lieben. Die Jungs nutzen Black-Metal-typische
Merkmale (rasende Drums, flirrende Gitarren; fieses Keifen, englisch
und deutsch) ebenso wie viele akustische Instrumente (Piano, Gitarre)
und schrecken "sogar" vor Frauengesang („October“)
nicht zurück. Viele interessante und passende Tempowechsel prägen
die Musik auf der zweiten echten Scheibe KLABAUTAMANNs, die CD nimmt
den Rezipienten mit auf eine Reise von Gut nach Böse, vom akustischen
Eiland bis hin zu Emperor - vom Himmel in die Hölle. Das Duo
(das übrigens einen Schlagzeuger sucht) schert sich einen Dreck
um Genre-Grenzen und schafft dabei eine wirklich interessante Scheibe.
Der KLABAUTAMANN guckt über den Tellerrand – und das passt
dann irgendwie doch irgendwie zur oben zitierten Definition des unsichtbaren
Kobolds. [memme]
NOCTURNAL HALL
| Aussergewöhnlich und eigenständig sind wohl die ersten
zwei Worte die mir zu diesem ganz speziellen Werk einfallen –
und das natürlich im positiven Sinn. Von KLABAUTAMANN habe ich
ja schon seit längerem nur Gutes gehört und nun, da ich
Der Ort endlich selber in der Hand halte, kann ich den Gerüchten
nur beipflichten – hier handelt es sich um eine ganz besondere
Band. Eine Band, die mir wieder zu denken gibt, warum es Kategorisierungen
wie Black Metal geben muss, da diese Bezeichnung nicht mal ansatzweise
erfasst, was KLABAUTAMANN spielen. Gut, die Grundstimmung und Atmosphäre
erinnert an Black Metal, jedoch wird immens viel mit genreunüblichen
Stilelementen herumgewerkelt, weswegen ich diese Klassifizierung nicht
wirklich gutheissen kann. Es wird eine enorme Vielfalt an Emotionen
erzeugt: Während die Songs stückweise vor Kraft und Energie
strotzen, sind sie an anderen Stellen fragil und bedächtig, man
findet sich bald in einem Gefühlschaos wieder, das sich durch
die gesamte Spieldauer von knapp 50 Minuten zieht. Während es
am Anfang doch etwas deftiger zur Sache geht, mäßigt sich
das Tempo mit Red Urn doch beträchtlich und stellt October, das
letzte Stück quasi den kompletten Stilbruch, inklusive weiblichem
Gesang, der mich teilweise recht an Liv Christin erinnert, dar. Jeder
Song strotzt vor Ideenreichtum und Variabilität – um dieses
Album voll und ganz durchzuleben benötigt es mehr als nur einige
Durchläufe und einiges an Aufmerksamkeit - für diejenigen,
die es nicht als notwendig erachten mehr Zeit für ein Album zu
investieren, ist Der Ort definitiv nichts. Mein großer Dank
geht an die Band, die mir beweist, dass es sich immer noch auszahlt
nach Perlen in der großen weiten Metalwelt umzusehen. [Dunja
9,5/10]
POWER METAL | Der Bandname ist ein Trip in meine Kindheit, aus der ich Folgendes mitgenommen habe: Ein Klabautermann ist ein Schiffsgeist, den der allseits beliebte rothaarige Kobold Pumuckl zu seinen Vorfahren zählt. Wandelt man die Schreibweise ein wenig ab, erhält man ein deutsches Black-Metal-Duo mit Gastschlagzeuger, das mit "Der Ort" dieser Tage sein zweites komplettes Studioalbum vorlegt. Dabei beschäftigen sich Tim Steffens und Florian Toyka lyrisch weniger mit der Seefahrt als vielmehr mit den Wäldern und den Wesenheiten, die in ihnen hausen. Bereits das Frontcover, das eine schöne, lichtdurchflutete und moosbewachsene Waldlichtung zeigt, bringt den Hörer in die richtige Stimmung für das Album, die dann durch mystische Pianoparts und verträumte Passagen auf der akustischen Gitarre sehr schön verstärkt wird und durch das metallische Grundgerüst einen sehr natürlichen Charakter erhält. Wie die Natur selbst ist auch die Musik KLABAUTAMANNs ein Wechselspiel zwischen anmutiger Schönheit und dem Walten zerstörerischer Kräfte. Das eröffnende Titelstück bringt die musikalische Essenz der Band bereits sehr treffend auf den Punkt. Hier gibt es rasende Black-Metal-Parts, die immer wieder durch sehr schöne, verträumte Akustikintermezzi auf der Konzertgitarre und dem Piano unterbrochen werden. Das böse Keifen ist Black-Metal-typisch aber recht nachvollziehbar. Im zweiten Stück 'Forlorn Sea' drosselt man das Tempo und fängt mit cleanen Vocals an, um später doch wieder keifend zu Werke zu gehen. Inmitten des Black Metals gibt es auch viele ambientlastige, ruhige Momente. 'Winternacht' ist wieder deutlich schneller, hat dafür aber einige auffällige, melodische Gitarrenpassagen. Doch auch hier nehmen KLABAUTAMANN später das Tempo komplett raus und spielen ein sehr ruhiges Interludium, bevor das Inferno erneut losbricht, dieses Mal zuerst heavier, dann wieder rasend. Im Gegensatz zu vielen Black-Metal-Bands haben die Jungs durchaus ein progressives Element in ihrer Musik, hier gibt es diverse schöne Breaks und abrupte Stimmungswechsel in allen Songs. Der Blick über den schwarzmetallischen Tellerrand ist sehr ausgeprägt, aber dennoch dezent genug, um die Band nicht der Basis und ihren eigenen Wurzeln zu entfremden. Bei 'Waldschrat' sind die Grundriffs so dermaßen Black Metal, dass selbst die Truesten der Truen Freudensprünge machen dürften, allerdings hat man gerade hier mit Stefan Horn einen Gastsänger am Start, der mit deutlich Death-Metal-lastigerem Gesang ankommt. Dazu gibt's die eine oder andere sehr abgefahrene Frickelpassage. 'Red Urn' ist ein sehr schönes, komplett akustisches Stück, das in gewisser Weise den Geist von ULVERs "Kveldssanger" atmet, aber für meinen Geschmack besonders gesanglich nicht ganz dessen Niveau erreicht, was ja auch sehr schwierig ist. 'The Wanderer' kommt mit massig Breaks recht Death-Metal-betont, aber dennoch mit zusammenhängender, flüssiger Stimmung. Einen wirklichen Ausnahmesong gibt's zum Schluss in Gestalt von 'October', das dann zu guter Letzt wirklich noch als Stilbruch durchgeht. Das neunminütige Stück wird komplett von der Gastsängerin Isabel Jasse sehr klar gesungen und ist mir für die lange Spielzeit im ersten Drittel ein wenig zu unspektakulär. Erst kurz vor der Vierminutengrenze erweitert der erste gravierende Stimmungswechsel die Dimensionen des Stückes spürbar. Insgesamt ist festzuhalten, dass die
Klabautermänner verspielter und deutlich vielseitiger zu Werke
gehen als das Gros der Szene. "Der Ort" ist über weite
Strecken regelrecht progressiv, vor allem was die sehr virtuosen Akustikgitarren,
aber auch etliche melodische Leads auf der Stromgitarre angeht. "Der
Ort" überschreitet Genregrenzen, ohne den Black Metal völlig
zu verlassen, erfordert aber doch ein gewisses Maß an Offenheit
und Toleranz unter den Schwarzheimern. Andererseits finde ich, dass
gerade die naturverbundene Stimmung etlicher früher Norwegerbands
hier authentischer rüberkommt als bei manchen Bands, die den
Stil der alten Schule detailgetreu kopieren, so dass sich - zumindest
in punkto Stimmung - auch Verfechter der reinen Lehre angesprochen
fühlen dürfen, soweit sie sich vorstellen können, mit
all den erwähnten Extravaganzen klarzukommen. |
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